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29.07.1982 - Flugzeugabsturz

29.07.1982 - Flugzeugabsturz

Am 29.07.1982 ist Großniedesheim einer Katastrophe nur knapp entgangen. Ein kanadischer Starfighter der stürzte am Ortsrand in ein Wohnhaus und verwüstete einen ganzen Straßenzug.

Düsenjäger rammte Kleinflugzeug

Starfighter stürzt auf Großniedesheim

Ein Dorfbewohner unter den drei Toten - Wohnhaus total zerstört - Kanadischer Pilot leicht verletzt

FRANKENTHAL (px). Beim Landeanflug auf den Flugplatz Worms ist gestern um 15.50 Uhr eine amerikanische "Piper"-Sportmaschine mit einem kanadischen Düsenjäger F 104 zwischen den Gemeinden Klein- und Großniedesbeim im Landkreis Ludwigshafen zusammengestoßen. Während sich der Pilot des kanadischen Starfighters unmittelbar nach der Kollission mit dem Schleudersitz aus der abstürzenden Maschine katapultieren konnte und mit dem Fallschirm 300 Meter vor Großniedesheim auf freiem Feld leicht verletzt niederging, raste die F 104 führerlos in ein zweistöckiges Wohnhaus unmittelbar am Ortsrand von Großniedesheim.

Aus der amerikanischen Sportmaschine, die ebenfalls auf freies Gelände abstürzte und in mehrere Teile zerschmetterte, wurden bis Redaktionsschluß ein deutscher Pilot und ein weiterer Passagier tot geborgen. Während der Pilot nach dem Absturz der Sportmaschine eingeklemmt und seine Leiche von einem Bergungskommando aus einem Knäuel von Blech und Kunststoff befreit werden mußte, fand man das zweite Opfer aus der "Piper" erst eine Stunde später in einem Weinberg.

Der kanadische Düsenjäger riß vor seinem Aufprall einen 60 Zentimeter tiefen Graben auf der Straße vor dem Wohngebäude und prallte dann gegen das Erdgeschoß. Sekunden später, so berichteten Augenzeugen am Unfallort, gab es eine gewaltige Explosion. Der größte Teil des Wohnhauses fiel in sich zusammen wie ein Kartenhaus, während andere Gebäudeteile hunderte von Metern im Umkreis verstreut wurden. Der 19 Jahre alte Reinhard Kruppa, der gerade von der Arbeit nach Hause gekommen war und nach Angaben seines Pflegevaters Paul Galombos vor dem Fernseher saß, wurde beim Einsturz des Hauses aus dem Fenster geschleudert und zusammen mit Beton-, Holz und Glassplittern rund zehn Meter durch die Luft auf ein Nachbargrundstück geschleudert. Seine Leiche, der untere Körperteil war völlig abgetrennt, wurde bis zur Unkenntlichkeit verstümmelt.

Vier weitere Personen, die sich zum Zeitpunkt des Düsenjägerabsturzes in dem Wohngebäude aufhielten, ein Ehepaar mit einem vierjährigen Sohn und eine ältere Verwandte der Familie, konnten sich wie durch ein Wunder fast unverletzt aus einem noch stehengebliebenen Gebäudeteil ins Freie retten. Der Besitzer des Hauses, der 65jährige Rentner Paul Galombos, stand zum Zeitpunkt des Unglücks im Garten. In einer Entfernung von zehn Meter vom einstürzenden Wohnhaus spritzte er mit einem Pflanzenschutzmittel die Hausreben. Seine Frau befand sich zum Zeitpunkt des Absturzes beim Einkauf in einem Supermarkt.

Während die Feuerwehren des Umkreises, das Technische Hilfwerk, Katastrophenschutzkräfte, deutsche Sanitäter, Ärzte und Angehörige der amerikanischen Streitkräfte pausenlos am Unfallort im Einsatz waren, um nach weiteren unter den Trümmern vermuteten Opfern zu suchen, riegelten Polizeikräfte das Unfallgebiet hermetisch ab. Eine Hundertschaft der Bereitschaftspolizei kämmte bis zum Einbruch der Dunkelheit das Gebiet systematisch durch, um nach weiteren Insassen zu suchen, die man noch in dem abgestürzten Sportflugzeug vermutet.

Befürchtungen der Polizei, daß der kanadische Düsenjäger scharfe Munition und Bomben bei sich geführt haben könnte, bestätigten sich nach ersten Ermittlungen des Sprengkommandos Worms nicht. Bei der Munition, die weit verstreut im Umkreis lag, handelte es sich nach vorläufigen Untersuchungen nur um Übungsmunition. Auch die Vermutung, daß der kanadische Jäger radioaktive Teile an Bord haben konnte, wurde gestern abend von der Polizei nicht bestätigt. Bei dem angereicherten Element an Bord der Maschine sollte es sich, wie Polizeihauptkommissar Gerhard Matz vom Polizeipräsidium Ludwigshafen erklärte, um ein völlig ungefährliches radioaktives Element zur Steuerung des Düsenjägers gehandelt haben. Aber auch diese Annahme widerrief die Polizei bei Redaktionsschluß.

Die kanadische F 104 war in Lahr/ Schwarzwald stationiert und befand sich auf einem Übungstiefflug zurück nach Lahr. Die Maschine wurde von dem 50 Jahren alten Oberst Jack Frazer gesteuert. Er wurde in das Heidelberger amerikanische Militärkrankenhaus eingeleifert. Die Sportmaschine, mit dem der Düsenjäger zusammenstieß, war angeblich in Reicheisheim gestartet und sollte in Worms landen. Über Funk hatte der Pilot bereits die Landeerlaubnis erhalten.

Unmittelbar nach Bekanntwerden der Katastrophe in Großniedesheim traf auch der rheinland-pfälzische Innenminister Kurt Böckmann am Unfallort ein und verschaffte sich persönlich erste Eindrücke vom Ausmaß des Düsenjägerabsturzes.


 
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