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15.11.2013 - Rheinpfalz - Harthausen

In der Rheinpfalz vom 15.11.2013 erschien folgender Artikel über die Erfahrungen der Feuerwehrangehörigen beim Brand des Gaslagers in Harthausen:

"Die Ausrüstung hat uns das Leben gerettet": Die Feuerwehrmänner aus Harthausen, Dudenhofen und Römerberg, die bei der Gastank-Explosion Ende September in Harthausen verletzt worden sind, sind dankbar dafür, dass sie gut Schutzkleidung anhatten. - Archivfoto:LENZ

Von Stefan Fischer und Kathrin Schnurrer
Harthausen. „Der ältere Bruder muss doch auf den jüngeren aufpassen.“ Dieser Gedanke schoss Marc Seitzmayer (29) nach der Explosion auf dem Gelände eines Gashandels im Gewerbegebiet von Harthausen durch den Kopf. Der Feuerwehrmann wollte noch am Brandort zu seinem Bruder rennen, der ebenfalls im Einsatz war. Aber er schaffte es nicht. Der Schock, seine Verletzungen, das Adrenalin in seinem Körper waren zu viel. Er brach zusammen. Ein Kollege fing ihn auf. Kurz danach war Marc Seitzmayer schon auf dem Weg ins Krankenhaus – genauso wie sein 23 Jahre alter Bruder Tobias.
Tobias Seitzmayer nahm kurz vor der Explosion ein lautes Zischen wahr, dann knallte es: „Ich wurde durch die Luft katapultiert.“ Die Wucht der Detonation riss ihm den Helm vom Kopf. Am Boden liegend spürte er, wie Flammen über ihn hinwegschlugen. „Ich merkte, wie mein Ohr langsam abgetragen wird.“ Er sprang auf, wollte wegrennen, sah aber plötzlich eine Feuerwand vor sich. „Ich habe gemerkt, wie mein Gesicht langsam zerschmilzt.“ Schließlich schaffte es der 23-Jährige in sichere Entfernung. Sein Ohr konnte gerettet werden, doch er muss noch einen Schutz tragen.
Die Dudenhofener Brüder lagen mehrere Tage auf der Intensivstation in der Ludwigshafener BG-Unfallklinik – ebenso wie Sven Zöller, der Sohn des Dudenhofener Wehrleiters. Er hatte den Gastank gekühlt, bis der explodierte. Der 22-Jährige stand nur wenige Meter entfernt, weil die Wurfweite seines Strahlrohrs nicht größer war. „Ich habe gedacht, ich brenne“, berichtet er. Er hatte völlig die Orientierung verloren. Zum Glück lag der Schlauch noch da, an dem entlang er zurückrannte. An der Reaktion der Kameraden merkte er, dass sein Gesicht furchtbar aussehen musste.
Den Schmerz registrierten die Wehrleute erst gar nicht. Wegen des Schocks. „Aber dann kommt’s und hört nicht mehr auf“, sagt Michael Rain (32), dessen Hände und Arme verbrannt wurden.
Die Brüder Seitzmayer waren knapp vier Wochen lang im Krankenhaus, Marc war schon zu Hause, da wurde er wegen einer Entzündung im Kniegelenk noch einmal operiert. Sven Zöller musste 16 Tage in der Klinik bleiben, sein Gesicht ist noch gerötet – so, als hätte er einen starken Sonnenbrand. Mehrfach am Tag müssen die Brandverletzten die Haut dick mit Fettcreme einschmieren. Zudem müssen die jungen Männer ein Jahr lang die direkte Sonne meiden.
Ansonsten dürften die meisten der 17 verletzten Wehrleute keine bleibenden Schäden davontragen. Noch nicht ganz klar ist das bei Marc Seitzmayer, bei dem vor allem die Hände verletzt worden sind. Mit ihnen hatte er seinen Kopf vor dem Feuer geschützt. Seitzmayer ist Gas-Wasser-Installateur. Das für den Job nötige Fingerspitzengefühl ist noch nicht da. Er ist aber optimistisch, dass es nach der Reha wieder kommt.
Großes Lob zollen die Wehrleute den Medizinern: Sowohl die Erstversorgung in den Speyerer Krankenhäusern als auch die spätere Behandlung in der BG-Unfallklinik Ludwigshafen seien top gewesen. Auch die Unfallkasse kümmere sich sehr gut um sie.
Im Krankenhaus haben sich die Wehrleute gegenseitig aufgebaut. Frank Sammet (36), der Harthausener Wehrführer, der Brandverletzungen im Gesicht, an den Oberschenkeln und am Gesäß hatte, berichtet, wie wichtig es gewesen sei, dass die Wehrmänner gemeinsam das Geschehene aufarbeiten und rekonstruieren konnten. Auch wenn jeder die Ereignisse anders verarbeitet. „Da hat jeder seine eigene Methode“, weiß Zöller; ihm habe viel schwarzer Humor geholfen. Die Folgen des Unglücks begleiten die Männer noch immer, sie berichten von Schlafstörungen, Konzentrationsschwierigkeiten.
Sammet hält es für sehr wichtig, dass sich keiner Vorwürfe machen müsse, dass keine falschen Entscheidungen getroffen worden seien. Die Wehrleute hätten nicht mehr Abstand halten können, weil ihre Wasserwerfer keine größere Reichweite haben. Zudem konnte keiner ahnen, dass der Lkw-Tankauflieger explodiert. Tobias Seitzmayer: „Es gab keine Vorzeichen, dass das Ding gleich in die Luft fliegt. Das kam schlagartig.“
Die große Hilfs- und Spendenbereitschaft hat die Feuerwehrmänner total überrascht und gefreut. „Was alles für uns getan wurde und immer noch getan wird, ist schon faszinierend“, sagt Marc Seitzmayer fast ungläubig. Rain fügt an: „Die Solidarität ist schon sehr, sehr groß.“ Plötzlich würden Leute kommen, den Feuerwehrmännern die Hand schütteln und einfach „Danke“ sagen, erzählt Sammet.
Der Harthausener Wehrführer betont, wie wichtig es neben der Anteilnahme ist, dass genug Leute bei der Feuerwehr mitmachen: „Die Feuerwehr lebt von der Beteiligung am Feuerwehr-Dienst.“
Das Unglück hat den Blick der jungen Männer aufs Leben verändert: „Durch den Vorfall sieht man, wie schnell es rum sein kann“, sagt Tobias Seitzmayer. „Man ist dankbar für jede Sekunde“, ergänzt Zöller. Auf die Frage, ob sie weiter bei der Feuerwehr aktiv sein wollen, nicken die meisten. „Bei mir ist die Entscheidung noch nicht zu 100 Prozent gefallen“, sagt Marc Seitzmayer und erzählt von seiner Frau und seinem kleinen Kind. Da mache er sich schon so seine Gedanken: „Die Familie steht für mich im Vordergrund.“
Dass die Brandursache noch nicht geklärt ist, beschäftigt die Feuerwehrmänner. Die Staatsanwaltschaft hält Brandstiftung für sehr wahrscheinlich; verhaftet wurde aber noch niemand. Ihnen ist es wichtig zu wissen, warum es auf dem Gelände des Gashandels gebrannt hat – damit sie mit dem Thema abschließen können. „Sonst ist es wie ein Buch, das man liest, das aber kein Ende hat“, verdeutlicht Rain. Und Zöller ergänzt: „Wir möchten das Schlusskapitel schreiben können.“

Quelle: Verlag: DIE RHEINPFALZ, Publikation: Frankenthaler Zeitung, Ausgabe: Nr.265, Datum: Freitag, den 15. November 2013, Seite: Nr.12, "Deep-Link"-Referenznummer: '91_16468296'

ZUR SACHE

Das Unglück
Wegen Lkw-Bränden war die Feuerwehr der Verbandsgemeinde Dudenhofen am Samstag, 28. September, 4.22 Uhr, auf das Gelände eines Gashandels am Ortsrand von Harthausen gerufen worden. Um 5.13 Uhr explodierte ein mit Gas gefüllter Lkw-Tankauflieger. Dabei wurden 17 Feuerwehrmänner verletzt, einige von ihnen schwer. Die 3000 Bewohner von Harthausen mussten das Dorf von Samstagvormittag bis Sonntagmittag verlassen. Der Sachschaden an den von der Explosion betroffenen Häusern und Firmen beträgt viele Millionen Euro. Der Inhaber des Gashandels darf derzeit nicht mit Gas umgehen. (swz)

Quelle: Verlag: DIE RHEINPFALZ, Publikation: Frankenthaler Zeitung, Ausgabe: Nr.265, Datum: Freitag, den 15. November 2013, Seite: Nr.12, "Deep-Link"-Referenznummer: '91_16533251'


 
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