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19.09.2015 - Rheinpfalz - KFI Speichermann

19.09.2015 - Rheinpfalz - KFI Speichermann

„Viele Wehrleiter heißt viele Meinungen“

Die Gasexplosion in Harthausen am 28. September 2013, bei der 17 Feuerwehrmänner verletzt wurden, zählt für Uwe Speichermann zu den schlimmsten Einsätzen in seiner Zeit als Kreisfeuerwehrinspekteur. Fotos: Privat/Lenz (Archiv)

 

Interview: Nach zehn Jahren als Kreisfeuerwehrinspekteur des Rhein-Pfalz-Kreises wird Uwe Speichermann morgen um 11 Uhr in Dannstadt-Schauernheim verabschiedet. Am 1. Oktober übernimmt Patrick Janz sein Amt. Zum Abschluss spricht der 58-jährige Schifferstadter über seine Arbeit, die Entwicklung der Feuerwehren und den schlimmsten Einsatz.

 

Herr Speichermann, Sie waren vor Ihrer Ernennung zum Kreisfeuerwehrinspekteur Stellvertreter Ihres Vorgängers. War es eine große Umstellung vom „zweiten Mann“ zum Chef?Es ist schon eine Umstellung gewesen, denn es sind wesentlich mehr Termine, und das Aufgabenspektrum ist natürlich auch größer geworden.

Aber bereut haben Sie es nicht, das Amt des Kreisfeuerwehrinspekteurs angenommen zu haben?Nein, natürlich nicht. Im Nachhinein sind es natürlich Stunden an Arbeit, die man anders hätte verbringen können, aber ich habe es gerne gemacht, sonst hätte ich das Amt ja erst gar nicht wahrgenommen oder früher aufgehört.

 

Wie viele Stunden haben Sie in etwa mit Feuerwehrarbeit verbracht?Im Jahr kommen rund 600 bis 800 Stunden zusammen. Auf den Monat runtergerechnet sind das in etwa 50 bis 60.

 

Zu Beginn Ihrer Amtszeit haben Sie gesagt, dass Sie den Zusammenhalt der Wehren im Kreis verstärken und das ein oder andere noch verbessern. Haben Sie diese Ziele, die Sie sich gesteckt haben, erreicht?Die Ziele kann man in diesem Sinn nie erreichen. Man hat immer wieder neue Ziele, weil sich auch die Voraussetzungen ändern. Der Zusammenhalt der Wehren wurde verstärkt, aber hier gibt es auch noch Potenzial für Verbesserungen.

 

Haben Sie diesbezüglich schon konkrete Vorstellungen, wie man das erreichen könnte?Wir haben recht starke Wehren, und wenn viele Wehrleiter zusammenkommen, umso mehr Meinungen haben Sie dann auch. Jeder hat seine Ansichten, da ist es schwer, so viele Leute, die für ihre Gemeinde eigenverantwortlich sind, unter einen Hut zu bringen.

 

Wie war das dann als Chef dieser vielen Wehrleute? War es schwierig, alle zu einem Konsens zu bringen?Ja, mit Sicherheit. Da habe ich manch andere Kollegen beneidet, die nur sechs oder sieben Wehrleiter hatten in ihrem Kreis. Bei uns waren es 14. Da musste ich halt versuchen, alle Meinungen auf einen Nenner zu bringen, was manchmal nicht so einfach war.

 

Welchen Tipp geben Sie Ihrem Nachfolger Patrick Janz aus Bobenheim-Roxheim mit auf den Weg?Das habe ich ihm schon gesagt (lacht). Er soll seine Linie für den Umgang mit allen Beteiligten finden. Ich wollte auch nicht, dass mir jemand groß reinredet, und so halte ich es auch mit meinem Nachfolger. Wenn ich gefragt werde, gebe ich gerne Antwort, aber von mir aus werde ich ihn nicht mit Ratschlägen bombardieren. Er hat selbst genügend Erfahrung, alles andere muss er sich selbst aneignen.

 

Warum wollten Sie sich nicht mehr zur Wiederwahl stellen?Die Amtszeit eines Kreisfeuerwehrinspekteurs dauert zehn Jahre. Da ich in vier Jahren, wenn ich 63 werde, das Amt eh hätte aufgeben müssen, weil ich dann das Höchstalter eines Feuerwehrmanns erreicht habe, dachte ich: Es ist besser, jetzt aufzuhören.

 

Aber der Feuerwehr bleiben Sie treu?Das habe ich vor. Wenn man jahrzehntelang mit der Feuerwehr gelebt hat, ist es schwierig, das Ganze von heute auf morgen zu verlassen. Deshalb ist die Entscheidung, jetzt aufzuhören, auch gefallen. So kann ich mich weiter bei der Heimatfeuerwehr in Schifferstadt engagieren und muss nicht sofort aufhören. Ein Abschied auf Raten war mir lieber, als in vier Jahren komplett aufhören zu müssen. Von 100 Prozent komplett auf Null runterzufahren, stelle ich mir schwieriger vor.Sie haben zahlreiche Einsätze erlebt. Gibt es einen, der Ihnen besonders im Gedächtnis geblieben ist?Für mich war der schlimmste Einsatz die Gasexplosion in Harthausen. Weil hier der Gedanke, ob alle Kameraden rechtzeitig das Gelände verlassen konnten, vorherrschend war. Das hat einen regelrecht geprägt. Das verfolgt einen teilweise heute noch.

 

Sie haben die Entwicklung der Feuerwehren im Kreis jahrelang verfolgt. Hat das Interesse an der Arbeit eher ab- oder zugenommen?Wir können auf jeden Fall noch Nachwuchs gebrauchen. Das Interesse an der Feuerwehr ist gestiegen in den letzten Jahren. Wir haben auch mehr Zulauf, aber es gibt ein Problem: Die Personen bleiben nicht mehr so lange bei der Feuerwehr wie früher. Das ist oft beruflich bedingt. Früher waren es 30 bis 40 Jahre, heute hat man einen Schnitt von sieben bis zehn Jahren. Aber es kommen immer noch viele dazu, auch Quereinsteiger, die spät den Weg zur Feuerwehr finden. Unser großer Gewinn sind natürlich die Jugendfeuerwehren. Ohne die würde es oft schlecht aussehen.

 

Was war das Beste in Ihrer Amtszeit?Allgemein die Kameradschaft, die man erlebt hat – nicht nur im Kreis, sondern auch auf Landesebene. Egal, wen man um Hilfe bittet, das funktioniert. Viele Einsätze wären ohne diese Hilfsbereitschaft gar nicht zu stemmen gewesen. Dieses interne kleine Netzwerk ermöglicht kurze Dienstwege, und das ist super. Diese Kontakte braucht man, und deshalb muss man sie weiter pflegen.

 

Interview: Sandrina Lederer

 

Quelle: Die Rheinpfalz - Frankenthaler Zeitung - Nr. 218, Samstag, den 19. September 2015, Seite 15


 
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